Die rote Couch

Die rote Couch

Die rote Couch

Roman
Erscheinungsjahr: 1998
Gewicht: 460 gr / Abmessung: 19 cm
Von Yalom, Irvin D.

Ernest Lash, ein junger Psychoanalytiker aus San Francisco, glaubt an die Wirksamkeit seines Tuns, ist aber andererseits davon überzeugt, daß die klassischen Therapien dringend einer Erneuerung bedürfen. Eines Tages beauftragt ihn die Ethikkommission seines Fachbereichs mit der Untersuchung eines prekären Falls:
Er soll die Arbeitsweise eines älteren, sehr berühmten Kollegen namens Seymour Trotter überprüfen, der angeklagt ist, ein Verhältnis mit einer vierzig Jahre jüngeren Patientin gehabt zu haben. Trotter beharrt darauf, daß Intercourse das einzige Mittel gewesen sei, um die junge Frau vor ihrem selbstzerstörerischen Verhalten zu retten. Zunächst ist Ernest entrüstet. Doch je mehr er sich mit der Sache beschäftigt, desto mehr fasziniert ihn die Idee, jedem Patienten bzw. jeder Patientin eine fallspezifische Behandlung zuteil werden zu lassen.

Listpreis: EUR ten,00

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3 Comments

  1. Mag Gerald Hutterer
    Posted on: 4-20-2012
    54 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Liegen und Lügen auf der Couch, 7. August 2007
    Rezension bezieht sich auf: Die rote Couch (Taschenbuch)

    “Lying on the couch” heißt dieses Buch im Originaltitel und das kann bedeuten: “auf der Couch liegen” und “auf der Couch lügen”. Dieses Sprachspiel geht im uninspirierten deutschen Titel leider verloren. Denn es geht nicht um irgendeine rote Couch, sondern um dieses Spannungsfeld, das zwischen dem Liegen und dem Lügen auf der Couch aufgespannt wird.

    “Auf der Couch liegen”: Um Therapie oder um Liebe zu machen? Wieder ein Sprachspiel – aber mit ernstem Hintergrund. Fragen der Ethik in der Therapeut-Klient Beziehung sind auf Grund zahlreicher Skandale ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt. Und sie bilden das Zentrum des Romans. Wobei es schon lange nicht mehr nur um die Frage von Sex mit Patienten/innen geht. Hier ist Yaloms Position klar: Regel 64 im “Panamahut” lautet unmissverständlich: “Niemals Sex mit Patienten”. Aber die Sensibilität für diese Frage hat die Grenzen verschoben: Ist eine Umarmung noch erlaubt? Ein Händedruck? Und in welcher Weise darf Erotik im therapeutischen Prozess thematisiert werden? Wie mit Übertragung und Gegenübertragung umgehen? Im Panamahut werden diese Fragen theoretisch erörtert, in “Lying on the couch” aber in Szene gesetzt: in der Episode des gefallenen Altmeisters Seymour Totter und im Hauptstrang der Erzählung, der Therapie von Carol.

    “Auf der Couch lügen”: Warum bezahlt ein Klient viel Geld für Therapiesitzungen, um dann seinen Therapeuten anzulügen? Und der Therapeut selbst: Wie kann er von Authentizität sprechen, wenn er selbst eine “leere Wand” bleibt? Wie viel darf er, wie viel muss er preisgeben, um eine “echte” Begegnung zu ermöglichen?

    “Lying on the couch” behandelt ernsthafte und wichtige Fragen der therapeutischen Ethik und Technik. Es ist aber kein Lehrbuch. Es ist zu allererst ein Roman, der vor witzigen Einfällen nur so sprüht. Allein die Groteske um eine Rückrufaktion wegen einer fehlerhaften Deutung wäre es wert, das Buch zu lesen: “Platz da, Ford, Toyota, Chevrolet! Produktrückruf jetzt auch in der Psychotherapie!” Das ist so verrückt, dass es absolut realistisch erscheint. Wenn man in Amerika Millionen dafür bekommen kann, weil man sich Kaffee über die Hose schüttet oder seinen Hund in die Mikrowelle steckt, warum sollte es dann nicht auch eine Produkthaftung für eine fehlerhafte Deutung geben? Und Yalom hat noch mehr von solchen Grotesken und Burlesken in sein Buch verpackt. Kaufen und Lesen!

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  2. El Hongo
    Posted on: 4-20-2012
    20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Psychotherapie-Panorama der amüsanten Art, 8. August 2006
    Rezension bezieht sich auf: Die rote Couch (Taschenbuch)

    Dieses Buch ist ein klein wenig anders als die anderen Yalom-Romane, die ich alle durchweg sehr wertvoll und empfehlenswert für alle Leser mit Interesse an Psychologie fand. “Die Rote Couch” ist deshalb mein Favorit, weil es in weiten Teilen einen sehr ironischen Blick auf die Institution Psychotherapie wirft, und eigentlich in allen Handlungssträngen eine bis zum gesunden Sarkasmus reichende Überspitzung die Geschichte in Richtung einer sanften Parodie führt. Nicht falsch verstehen, Yalom meint es wie immer absolut Ernst mit der heilenden therapeutischen Arbeit, der offenen und ehrlichen Begegnung. Aber er richtet seinen Blick auch auf Koryphäen und analytische Institute, die durch Hybris und verkrustete Selbstherrlichkeit genauso schnell in einen Strudel menschlicher, allzumenschlicher Kalamitäten geraten wie ihre Klienten. So muss der junge Therapeut Ernest Lash gleich am Anfang einen einstmals als Lichtgestalt verehrten Kollegen in einem Prozess wegen sexuellen Missbrauchs einer Patientin absägen. Im Folgenden führt Yalom durch eine Vielzahl an Psycho-Schauplätzen und Begebenheiten, die sich nicht so sehr wie z.B. “Die Schopenhauer Kur” oder “Als Nietzsche weinte” in der Hauptsache auf eine Begegnung zweier bestimmter Menschen richtet, sondern viele mehr oder weniger tragende Figuren und Handlungsstränge einführt. Lash hilft einem Mann, sich von seiner herrschsüchtigen und jähzornigen Frau zu trennen, diese beschließt daraufhin, sich an Lash zu rächen, indem sie sich “zum Schein” bei ihm therapieren lassen, ihn dann verführen und ihn vor Gericht bringen will. Währenddessen ist Lashs Supervisor in Führungskämpfe an der Analytischen Gesellschaft von San Francisco verwickelt und läßt sich mehr und mehr vom Macht- und Statusdrang beherrschen, was natürlich nicht gut ausgehen kann. Man spürt beim Lesen, dass Yalom all das, was er beschreibt, wohl in seiner langen Praxis in der einen oder anderen Form wirklich so oder so ähnlich erlebt hat, jedenfalls klingt es bei aller Überzeichnung immer noch irgendwie plausibel, und hält den Leser mit Interesse für dieses Gebiet vorzüglich bei Laune.

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  3. Silke Samel
    Posted on: 4-20-2012
    11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Brillant, beste Unterhaltung, virtuos gestrickter Roman aus der Analytikerszene, 26. August 2007
    Rezension bezieht sich auf: Die rote Couch (Taschenbuch)

    Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zuletzt einen so durchgehend unterhaltsamen Roman gelesen habe, der neben seinen amüsanten Plots und der großen Portion Selbstironie zum Thema Analytiker, so viel ernsthaftes Wissen vermittelt und dermaßen fesselnd ist.

    Virtuos verbändelt Yalom seine Protagonisten miteinander und es ist ein sehr großen Vergnügen, den Irrungen und Wirrungen zu folgen.

    Klare Bestwertung. Auch für die hohe Kunst des Fabulierens, die Yalom hier meisterhaft zelebriert. Chapeau.

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